Meine Reise hat von einer Zeitungsanzeige in TZ begonnen. Ein Mann suchte einen Reisebegleiter für die Reise in die algerische Sahara bis Tamanrasset. Nun habe ich mich entschlossen bei ihm anzurufen. Wir haben uns verabredet zu einem Treffen. Er war etwa 50 Jahre alt, etwas kahlköpfig, von Beruf Maler und hiess Raymond. Die Reiseplannung hat begonnen. Wir schickten unsere Pässe zum algerischen Konsulat. Es war Anfang Februar. Während dieser Reise habe ich etwa 9000 Kilometer auf dem Land und etwa 4000 Km. in der Luft zurückgelegt. Sie dauerte 4 Wochen. Wir nahmen Raymonds Wagen, einen ein Jahr alten Peugeot 309 Diesel. Die Hintersitze hat er ausgebaut, um genügend Stauraum für unser Gepäck und Ausrüstung zu schaffen. Aber trotzdem müssten wir noch mein Gepäckträger montieren. Wir nahmen an Gepäck: zwei kleine Kuppelzelte, Schlafsäcke, 1 Radiorekorder mit KW, 3 Taschenlampen, Campingtisch, 2 Klappstühle, Fernglas, 3 Fotoapparate, 2 Benzinkocher, Sandbleche, Spaten, 2 Reifen, Wasserkanister für etwa 90 Liter, 70 Liter Heizöl in Kanister als Treibstoff für unseren Packesel, einen Kühlschrank für 12V, 20 grosse Bundeswehrrationen und ganze Menge anderen Proviant, Konserven und Dosen-getränke, auch 2 Kartons Dosenbier. Das Auto sass gewaltig, knapp über der Strasse. Raymond wollte noch mit dem Wagen zum bekannten Mechaniker in ein Peugeot-Werkstatt fahren. Als wir dort ankamen, lachten uns die Mechaniker aus, nachdem sie erfuhren wohin wir damit fahren wollen. Schliesslich verzichteten wir auf einige Gegenstände, was hat uns vielleicht um 1 cm höher gehoben. Wir entschliessen uns trotzdem so zu fahren mit der Hoffnung, dass auf den guten europäischen Autobahnen dem Wagen nichts passiert und wir werden ständig leichter (verbrauch von Heizöl, Getränke usw.).
Wir starteten am 25.02.89. um 1.00 Uhr, weil wir die Alpen beim möglichst kleinem Verkehr passieren wollten. Nach drei Stunden setzte ich mich hinter Steuer. Das überlastete Auto liess sich eigentlich gut steuern. Beim Tagesanbruch waren wir schon in der Nähe von Trento. Am Nachmittag kamen wir an die Mittelmeerküste in Genua. Wir beschlossen weiter auf der Küstenstrasse Richtung Frankreich zu fahren. Es war sonnig, aber wehte sehr stümischer Wind vom Meer. Am Abend fanden wir einen geöffneten Campingplatz in Albenga. Wir mieteten uns ein Bungalow am Meer, da weiter sehr stürmisch war. Nach der erster Etappe und Erprobung der Fahreigenschaften des Autos war Raymond total sauer und sagte, dass bevor er in die Sahara fährt muss die hälfte Ladung weg. Wir haben noch vor der Abreise erfahren was uns dort erwarten kann: Schlaglöcher, Piste, Sandverwehungen usw. Schliesslich haben wir das ganze Gepäck vom Auto in das Bungalow geschleppt und begannen mit der Sortierarbeit. Wir liessen auf dem Campingplatz: 2 leere Treibstoffkanister, mein Rucksack vollgeladen mit Klamotten auf die wir verzichten könnten, 20 Musikcasetten Raymonds, 1 Kocher. Insgesamt schäzten wir das alles auf ca. 30 Kg.
Am nächsten Tag, den 26.02. bekamen wir von der Reception eine Bescheinigung über die gelassene Sachen und fuhren weiter entlang der Riviera. Gegen Mittag passierten wir die französische Grenze in Menton und nach kurzer Fahrt kamen in Monte Carlo an.
Die Nacht war für uns beide fürchterlich. Ich mußte ständig mein Zelt retten und befestigen, weil der Wind ihn wegblasen wollte (zu dünnes Gestänge bei dieser Höhe). Dafür hatte ich eine Isoliermatte und einen warmen Schlafsack, was dem Raymond fehlte. Während meines Kampfes mit dem Wind und Zelt hörte ich ihn herumtummeln in seinem Zelt. Er hatte keine Isoliermatte nur einen dünnen Schlafsack, und die Nacht sehr kalt war.
Morgen früh waren wir beide kaputt. Raymond jammerte, daß er sich seinen Arsch abgefroren hat. Er sagte fluchend, daß er heute so lange fahren wird bis es wärmer wird, was er verwirklichte. Die Reise durch die Frankreich verlief ohne besondere Vorkommnisse. Die Strecke ging durch Aix-en Provance, Salon, Arles und weiter ab Montpellier auf der Autobahn bis zur spanischer Grenze, wo wir gegen 16.00 Uhr ankamen. Es war weiter ziemlich kühl und windig aber ohne Regen. Die spanische Autobahn hatte mindestens bis Gerona die Mautstellen sehr dicht, wo wir sie unzufrieden verließen und weiter auf der Landstraße Richtung Barcelona fuhren. Irgendwo nach Tarragona begann die Dämmerung, aber wir fuhren weiter. In der Nähe von Vinaroz sollte laut ADAC ein geöffneter Campingplatz sein. Wir fanden ihn aber er verfügte über keine Bungalows, was uns zur Fortsetzung unserer Reise zwang. Auch suche nach einem Zimmer unterwegs war vergeblich. Die Hotels waren geschlossen, besetzt oder sehr teuer und Raymond hatte wieder die Nase voll. Er fragte mich ob ich einverstanden bin weiter in die wärmere Gebiete zu fahren, auch wenn das die ganze Nacht dauert. Mir war schon alles Wurst, wenn er will soll er fahren (ich hatte stille Hoffnung, daß er bald müde wird und übernachten wir irgendwie). Raymond und ich nahmen uns jeder eine Dose Bier aus dem Karton hinter uns und tranken sie aus. Wir waren der Meinung, daß je mehr Bier wir austrinken desto leichter wird das Auto und schneller vergeht die Fahrt. In der Nähe von Sagunto bogen wir in eine Straße Richtung Binnenland ab, wo wir einen Orangenhain entdeckten. Wir machten dort einen Rast, sammelten und aßen die Orangen, tranken Bier. Trotz Mitternacht war die Luft spürbar wärmer geworden. Da kein geeigneter Platz für die Übernachtung in Sicht war und unsere Stimmung nach dem Bierkonsum viel besser war, fuhren wir weiter. 28 Februar Am Straßenrand sahen wir oft schön und bunt beleuchtete Häuschen. Das waren die Straßenpuffs. Nach einigen Kilometer Fahrt besuchten wir eins davon. Hinter der Theke saß die vermutliche "Mama", davor einige Mädchen. Nach der Bierbestellung begann Gespräch mit der Chefin. Sie war eine Deutsche und lebte hier seit ein paar Jahren. Nach einiger Zeit versprachen wir einen Besuch bei der Rückreise und setzten unsere Reise fort. Der Weg verlief durch Alicante, Murcia, Lorca, bis Granada. In der Nähe von Lorca schliefen wir im Wagen ca. eine Stunde. Etwa 100 Kilometer vor Granada begann die Morgendämmerung. Wir hatten das Glück diese prachtvolle Landschaft von Sierra Nevada bei sehr interessanter Sonnenbeleuchtung zu bewundern. Seit dieser Zeit war immer nur schönes Wetter. Um 11.00 Uhr kamen wir in Algeciras auf einen Campingplatz an. Unser Verlangen nach etwas Komfort war so groß, daß wir uns ein Bungalow mieteten. Es war wie ein Hotelzimmer mit einer Küche, Kühlschrank, Geschirr, Badezimmer mit Dusche und WC. Wir verluden unser Gepäck aus dem Wagen in das Zimmer und gingen schlafen.
Raymond ist Morgen früh zu einem Peugeot Werkstatt gefahren, weil der Treibstofffilter undicht war. Dann vorbereiteten wir uns zum Sprung nach Afrika. Nachmittag fühlte ich mich etwas schlecht und blieb im Bungalow, Raymond fuhr nach Gibraltar, wo seine Kamera kaputt geworden ist. Er mußte eine Fotowerkstatt ausfindig machen und sie reparieren lassen.
An diesem Tag machten wir beide mit unseren Kameras ein Ausflug nach Gibraltar. Nachdem wir in der Nähe von der Seilbahnstation einen Parkplatz gefunden hatten, was nicht gerade leicht war, fuhren wir hinauf zum Gipfel des Felsen von Gibraltar.
Von oben bot sich uns eine herrliche Aussicht an. Es war die spanische Küste, die Halbinsel Gibraltar, die Meerenge und weit benebelt die afrikanische Küste zu sehen. Zurück hinunter gingen wir zu Fuß und machten Fotos. Unterwegs besichtigen wir die Kanonen von Gibraltar aber die berühmten Affen waren nicht zu sehen.Nach dem Rückkehr vom Gibraltar (gegen 14.00 Uhr) packten wir den Wagen, bezahlten die Rechnung und fuhren zum Hafen.
Vor dem Hafentor war ein gebührenpflichtiger Parkplatz, wo wir das Auto parken wollten. Wir sollten einen Parkschein mit der Ankunftszeit kriegen aber ob das geschah oder nicht ist für uns ein Rätsel geblieben. Einfach könnten wir uns nicht daran erinnern. Wir gingen zur Hafenkasse und kauften uns die Fahrkarten für die 16.00 Uhr Fähre nach Ceuta. Dann wollten wir noch etwas in der Stadt spazieren gehen, und Raymond wollte sich eine Isoliermatte zum Schlafen kaufen. Wir gingen noch kurz zum Wagen, und dort kam auf uns die Frage: Wo ist der Parkschein ??! Wir suchten und suchten. Alles vergeblich - er war verschwunden. Dann gingen wir zum Parkwächter und versuchten ihm das klar zu machen, aber er war unerbittlich und zeigte uns, daß wir in diesem Fall die ganze 24-Stunden Gebühr zahlen müssen. Raymond begann sich auf ihn zu ärgern, dann sagte ihm in gebrochenem Englisch, daß wir erst vor kurzem eingetroffen sind und in keinem Fall so viel bezahlen werden. Er legte trotzdem die Gebühr für zwei Stunden auf dem Schalter, dann gingen wir zum Wagen. Raymond sagte mir, daß er jetzt nicht in die Stadt geht, weil er diesen Zirkus, der gleich beginnt hinter sich haben wolle. Er fuhr an die Schranke - um sonst. Dann fuhr er etwas zurück und wollte die Schranke auf dem Gehsteig umfahren. Als der Parkwächter das sah, sprang er auf, lief zu einem leerem 200-liter Faß und schob ihn uns vor die Stoßstange. Raymond fuhr trotzdem langsam weiter. Der Parkwächter sprang auf die Motorhaube und um nicht runterzufallen hielt sich an den Scheibenwischern. Raymond fuhr weiter. Einer von den Parkwächters Bekannten brachte ihm schnell einen großen Knüppel, den er gegen Raymonds Windschutzscheibe einsetzen wollte. Das reichte schließlich dem Raymond. Er hielt an und schnaubend vor Empörung stieg aus. Er schrie, daß man die Polizei verständigen muß. Während wir auf die Polizei warteten, sammelte sich um uns ein Straßenauflauf. Niemand außer uns kannte Deutsch. Nach der Ankunft der Polizei versuchten wir in gebrochenem Englisch und mit Hilfe der Gestikulation unsere Version der Ereignisse zu schildern. Danach sagte einer der Polizisten, daß der Parkwächter und Raymond mit ihnen zur Polizei fahren müssen wenn wir uns nicht einigen werden. Wir zeigten unsere Fahrkarten für die 16.00 Uhr Fähre, was nicht viel geholfen hat. Man sagte uns, daß man die Fahrkarten in der Kasse für die 18.00 Uhr Fähre umbuchen kann. Schließlich nach langer Tagung mit den Zeugen und dem Parkwächter ließen uns die Polizisten fahren. Es war höchste Zeit um die Fähre noch zu erreichen.